|
PROGRAMMABLAUF
Stand: 26.06.2006
ÄNDERUNGEN VORBEHALTEN
| 1.
|
Semiramide
- Ouvertüre |
Gioacchino
Rossini
(1792 - 1868) |
| 2. |
L'Arlesiana
- "E la solita storia"
Plácido Domingo |
Francesco
Cilea
(1866-1950) |
| 3. |
Le
Mage - 'Ah! Parais! Parais,
astre de mon ciel'
Rolando Villazón |
Jules
Massenet
(1842 - 1912) |
| 4.
|
Gianni
Schicchi - "O mio babbino
caro"
Anna Netrebko |
Giacomo
Puccini
(1858 - 1924) |
| 5. |
Les
Pêcheurs de Perles - 'Au
fond du temple saint'
Plácido Domingo &
Rolando Villazón |
Georges
Bizet
(1838 - 1875) |
| 6. |
Carmen
- Entr`acte |
Georges
Bizet
(1838 - 1875) |
| 7. |
Otello
- 'Già nella notte densa'
Anna Netrebko & Plácido
Domingo |
Giuseppe
Verdi
(1813 - 1901) |
| 8. |
Das
Land des Lächelns - 'Dein
ist mein ganzes Herz'
Anna Netrebko, Plácido
Domingo & Rolando Villazón
|
Franz
Lehár
(1870 - 1948) |
| Pause |
| 9.
|
Donna
Diana - Ouvertüre |
Emil
Nkolaus von Reznicek
(1860-1945) |
| 10. |
'Júrame'
Rolando Villazón |
Maria
Grever
(1885 - 1951) |
| 11. |
Giuditta
- 'Meine Lippen, sie küssen
so heiß'
Anna Netrebko |
Franz
Lehár
(1870 - 1948) |
| 12. |
'Vurría'
Plácido Domingo |
Furio
Rendine
(1920 - 1987) |
| 13. |
'Non
ti scordar di me'
Plácido Domingo &
Rolando Villazón |
Ernesto
de Curtis
(1875 - 1937) |
| 14.
|
La
Bohème - O du süßes
Mädchen ( O soave fanciulla)
Anna Netrebko & Rolando
Villazón |
Giacomo
Puccini
(1858 - 1924) |
| 15. |
Cavalleria
Rusticana - Intermezzo |
Pietro
Mascagni
(1863 - 1945) |
| 16.
|
West
Side Story - 'Tonight'
Anna Netrebko & Rolando
Villazón |
Leonard
Bernstein
(1918 - 1990) |
| 17.
|
Man
of La Mancha - 'The Impossible
Dream'
Anna Netrebko, Plácido
Domingo & Rolando Villazón |
Mitchell
Leigh
(1876 - 1954) |

Puccini
für Millionen
Am
Vorabend des WM-Finales 1990 in
Rom traten "Die Drei Tenöre"
erstmals zusammen auf und begründeten
eine Legende. Freitag abend kamen
erneut die größten Stimmen
ihrer Zeit zusammen. Sie gaben gemeinsam
ihr Bestes - für eine Revolution
reichte es nicht
Richtig
küssen darf Anna Netrebko an
diesem Freitag abend keiner. Wer
sich ihr auch nähert - vor
dem finalen Kuß dreht sie
sich rasch weg. Schade eigentlich.
Dabei sieht die derzeit gefragteste
klassische Sängerin, trotz
oder wegen einiger neuer Rundungen,
wahnsinnig verführerisch aus.
Wechselweise in lila glitzernder
oder rot-schimmernder Abendrobe
mit einem dicken Perlenkollier.
Aber selbst die beiden Tenöre
von Gottes Gnaden, Plácido
Domingo und Rolando Villazón,
dürfen die Lippen der Schönen
nur aus nächster Nähe
betrachten. Es wird gescherzt, gestreichelt,
umarmt, gelitten - mehr aber eben
nicht.
Mehr
aber eben nicht - das könnte
auch das Motto des Abends sein,
der in der Tradition einer Legende
steht. "Die Drei Tenöre"
Placido Domingo, Luciano Pavarotti
und José Carreras läuteten
vor 16 Jahren in Rom ein neues Zeitalter
der Klassik-Vermarktung ein. Bei
der WM in Italien schrieben sie
am Vorabend des Endspiels mit ihrem
Auftritt Geschichte. Riesige Klassik-Ereignisse
außerhalb der Opernhäuser
gab es damals in dieser Größenordnung
nicht. Einen Tag später wurde
Deutschland Weltmeister. Seit diesem
Tag ist Klassik wieder massentauglich.
Der
65jährige Plácido Domingo
ist das verbindende Element der
beiden Großereignisse. Auch
heute noch steht er auf den großen
Bühnen und ist der einzige
der drei Tenöre, der künstlerisch
überlebt hat. José Carreras
konnte zwar schwere Krankheiten
überwinden, doch seine einst
grandiose Stimme ist nur noch ein
trauriges Abbild vergangener Tage.
Auch Luciano Pavarotti vollbringt
seit langem nicht mehr die Sensationen,
die ihn einst zum Superstar machten.
Gestern mußte er sich wegen
seiner Krebserkrankung einer Notoperation
unterziehen, auf Bühnen hat
man ihn schon lange nicht mehr gesehen.
Doch
Domingo hat sich seine Stimme nicht
ruiniert. Noch immer genügen
seine Klangfarben hohen Ansprüchen,
sind seine Töne Zeugnis für
Kraft und Innigkeit. Natürlich
ist da nicht mehr die Strahlkraft
aus anderen Zeiten, und so hat er
sich seine Stücke mit Bedacht
ausgesucht. Aber es spricht für
ihn, daß er sich uneitel mit
seinem Nachfolger Villazón
eine Bühne teilt. Allein Domingos
Anwesenheit verzückt das Publikum,
weil es hier erneut Zeuge eines
kleinen Weltwunders werden kann.
Trotz geringer musikalischer Unebenheiten
- der Zauber Domingos wirkt noch
immer.
Rund
20 000 Menschen sind am Freitag
abend in die Berliner Waldbühne
gekommen und wollten, wenn Deutschland
schon nicht Weltmeister wird, ein
weltmeisterliches Konzert mit den
drei größten Stimmern
unserer Zeit erleben.
Nicht
unbescheiden wurde es als "Konzertereignis
des Sommers" gepriesen. In
der Tat, im Klassik-Geschäft
dürfte es schwerfallen diese
Besetzung zu überbieten. Denn
Netrebko, Domingo und Villazón
sind im Moment in Sachen Popularität
tatsächlich das Nonplusultra
des klassischen Gesangs. Und es
ist das erste Mal, daß sie
gemeinsam auf einer Bühne stehen,
begleitet vom durchaus inspirierten
Orchester der Deutschen Oper Berlin
unter der Leitung von Marco Armiliato.
Daß
die drei Gesangswunder überhaupt
ihre Kunst zeigen können, ist
ein überaus günstiger
Umstand. Noch zwei Stunden vor Beginn
blitzte, donnerte und regnete es
so sehr, daß sich selbst Punkrocker
nicht auf die Bühne getraut
hätten. Doch pünktlich
um halb acht herrschte Ruhe. Dabei
blieb es. Konzertveranstalter Peter
Schwenkow wird sein Glück heute
noch nicht fassen können.
So
konnte auch die Prominenz, darunter
FDP-Chef Guido Westerwelle, Fußball-Idol
Günther Netzer und Schauspieler
Mario Adorf, noch rechtzeitig eintreffen.
Und die ZDF-Übertragung war
gesichert, im übrigen auch
für Österreich, Norwegen,
Frankreich, Italien, Mexiko, Indien,
Afghanistan und ganz Südamerika.
Ein paar Millionen Zuschauer werden
da schon zusammengekommen sein.
Netrebko
und Villazón sind noch nicht
so weit wie Domingo. Sie sind jetzt
dort angekommen, wo es im Alter
von 34 Jahren viel weiter nicht
mehr geht. An einem Punkt, wo man
eigentlich nur noch abstürzen
kann. Am Potential ihrer Stimmen
zweifeln nur noch ganz wenige, ihre
äußeren Vorzüge
stehen außerhalb jeder Diskussion.
Netrebko symbolisiert in ihrer Kunst
wie keine zweite die Verbindung
von Können, Ausstrahlung und
Natürlichkeit. Als Werbe-Ikone
ist sie zur Zeit geradezu erschreckend
präsent. Villazón ist
das perfekte männliche Gegenstück.
Mal herumalbernder Mexikaner, mal
trauriger Clown - am Ende berührt
er alle. Allein mit den Bewegungen
seiner Augenbrauen kann er Geschichten
erzählen. Solche Protagonisten
braucht die große Oper.
So
verwundert es nicht, daß Netrebko
und Villazón diesmal gerade
bei Puccini ihre besten Augenblicke
erleben. Da jubeln die Massen, die
Fanclubs toben, sogar eine Mexiko-Fahne
wird geschwenkt. Lehárs Edel-Operetten
hätte Netrebko dagegen bleibenlassen
sollen. Das Doppelbödige bei
"Meine Lippen küssen so
heiß" gelingt ihr nicht.
Zu bemüht wirkt die Persiflage.
Aber
wer will ihr solche Kleinigkeiten
verdenken? Das "Gipfeltreffen
der Stars" ist am Ende das,
was es versprochen hatte: Der Klassik-Höhepunkt
dieses Jahres. Dennoch, der Abend
in der Waldbühne bleibt nur
ein Remake. Eine Revolution war
er leider nicht. Friedrich Pohl
Singen
und Kicken: Wie Opernstars und Fußballer
ein Erfolgsbündnis eingingen
Original
- Am 7. Juli 1990 traten die seinerzeit
wohl berühmtesten Tenöre
Plácido Domingo, Luciano
Pavarotti und José Carreras
gemeinsam in Rom auf. Rund 6000
Zuschauer verfolgten das Spektakel
vor Ort, bis zu eine Milliarde Menschen
waren es an den Fernsehgeräten.
Am gleichen Tag wurde Deutschland
Weltmeister. Die Gagen wurden an
wohltätige Institutionen gespendet.
Wiederholungen
- Später traten die drei vor
immer größeren Zuschauermengen
in Los Angeles (1994) und Paris
(1998) auf. Sogar eine eigene Tournee
wurde organisiert. CDs und Videos
mit Aufnahmen der Konzerte zählen
zu den am besten verkauften des
Klassik-Markts.
Kopien
- Im Fahrwasser der "Drei Tenöre"
versuchen zahlreiche Formationen
an den Erfolg der Originale anzuknüpfen.
In Deutschland gelang das vor allem
der Gruppe "Die drei jungen
Tenöre", die sich nach
einem Prozeß in "Die
jungen Tenöre" um-benennen
mußten. Weitere ähnliche
Formationen sind: "Die zehn
Tenöre", "Die drei
Soprane", "Drei Tenöre
und ein Sopran", "Drei
irische Tenöre", "Drei
kanadische Tenöre" oder
die "Teñoritas".
Kritik
- Manche werfen den "Drei Tenören"
den Ausverkauf der klassischen Musik
vor. Einerseits weil die Konzerte
mit leicht zugänglichen Ausschnitten
aus Opern, Operetten und Musicals
bestritten würden. Andererseits,
weil die Vermarktung des Ereignisses
wichtiger sei als die Musik selbst.
Nach
den Sommertagen jetzt der Wolkenbruch:
Wassermassen stürzen auf Deutschland
herab
Gewitter,
Überschwemmungen, vollgelaufene
Keller, stillgelegte U-Bahnen, Orkanböen,
Tod durch Blitzschlag in Brandenburg,
Ausnahmezustand in Berlin
Eigenlich
Wollten Zehntausende am Freitag
abend in Berlin zu einem WM-Konzert
vor das Brandenburger Tor kommen.
Statt dessen stand auf der Straße
des 17. Juni das Wasser zentimeterhoch.
Blitz, Donner, Orkanböen und
heftige Regenfälle hatten den
Organisatoren der WM-Party einen
Strich durch die Rechnung gemacht.
Zwischen 17 und 18 Uhr fielen in
Teilen Berlins mehr als 30 Liter
pro Quadratmeter - die Party mußte
abgesagt werden, der Ausnahmezustand
wurde offiziell ausgerufen. Insgesamt
mußten Polizei und Feuerwehr
der Hauptstadt 1190mal ausrücken,
U-Bahnhöfe standen unter Wasser,
Dächer wurden beschädigt.
Besonders schwer traf es die Bewohner
eines sechsstöckigen Wohnhauses
in Berlin-Lichtenberg. Sie mußten
gestern ihre Wohnungen verlassen,
da das Haus komplett unterspült
war und einzustürzen drohte.
Auch
in anderen Teilen Deutschlands hatten
die Regenfälle für Überschwemmungen
gesorgt. Im brandenburgischen Eichwalde
wurde am Freitag abend ein Mann
vom Blitz erschlagen. Der 47jährige
war leblos im Freien gefunden worden.
Im nordhessischen Korbach fielen
am Freitag abend in einer halben
Stunde 60 Liter Wasser pro Quadratmeter.
Das ist die Menge, die durchschnittlich
im gesamten Monat Juli fällt.
Zahlreiche Tiefgaragen und über
100 Keller standen unter Wasser.
Mehr als vierzig Autos blieben im
Wasser liegen.
Auch
im benachbarten Bayern wurden mehr
als 100 Häuser überflutet
und Straßen überschwemmt.
Von den Unwettern waren vor allem
die niederbayerischen Landkreise
Straubing-Bogen und Deggendorf betroffen.
In den oberbayerischen Landkreisen
Berchtesgaden und Traunstein machten
entwurzelte und umgestürzte
Bäume viele Straßen unpassierbar.
Schwere
Unwetter mit Überflutungen
und Blitzeinschlägen gab es
am Freitag auch in Nordrhein-Westfalen
und Rheinland-Pfalz. In Mainz und
Umgebung mußten die Einsatzkräfte
gut 50mal ausrücken, auch hier
wurde niemand verletzt. Eine Kunstgalerie
mit wertvollen Ausstellungsstücken
mußte trockengelegt werden.
In Stuttgart wurde eine Frau durch
einen Blitz verletzt. Er hatte vermutlich
in einen Bauzaun eingeschlagen,
dessen Tor die 22jährige gerade
öffnete.
Österreich
blieb von den Unwettern ebenfalls
nicht verschont. Die Orte Feldkirchen
und Aschach an der Donau wurden
durch die Niederschläge fast
vollständig unter Wasser gesetzt.
In Aschach brachten der Regen ein
Hallendach zum Einsturz, niemand
wurde verletzt.
"Vielleicht
weint der Himmel ja um Deutschlands
Fußball", sagte eine
Berliner Radiomoderatorin am Freitag
abend. Sollte es so gewesen sein,
dann hat sich der Himmel wieder
beruhigt: Die Aussichten für
das Finalspiel sind gut. Die Temperatur
dürfte beim Anpfiff der Partie
Italien gegen Frankreich in Berlin
etwa 25 Grad betragen. dpa
Artikel
erschienen am 9.7.2006 - WELT
am SONNTAG
|