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Annette
Dasch - der Klang von Schönheit
und
welt.de
/ 22. Juli 2007
Am
Samstag singt Annette Dasch zur
Eröffnung der Salzburger Festspiele
die Titelrolle in Haydns „Armida".
Für die Berlinerin wird es der entscheidende
Schritt zur Weltkarriere sein. Ihre
Plattenfirma Sony/BMG will sie als
neue Anna Netrebko aufbauen.Auch
das größte Seelenleid
hat manchmal Vorzüge. Vorausgesetzt,
es wird von Annette Dasch besungen.
Die 31-Jährige interpretiert
die Musik der vergangenen Jahrhunderte
so direkt und unmittelbar, dass
es einen unwillkürlich packt.
Denn Dasch macht das Tragische in
der Welt der Oper fassbar, den Kampf
zwischen schön und hässlich,
zwischen Freude und Trauer, zwischen
Wohlbefinden und Schmerz.
Kaum
eine andere Sängerin schafft
es derzeit, Arien so anmutig, berührend,
aber auch natürlich wiederzugeben.
Bei ihr muss der Hörer weder
den Operninhalt kennen noch die
jeweilige Sprache sprechen. Er weiß
sofort, in welchem Zustand sie sich
befindet, und kann über diese
so wandlungsfähige Stimme nur
staunen.
Diese Qualitäten haben Annette
Dasch jetzt an die Spitze des Klassik-Betriebs
gebracht. Bei den am kommenden Sonnabend
beginnenden Salzburger Festspielen
wird sie die Eröffnungspremiere
singen, als Armida in
Joseph Haydns (17321809) gleichnamiger
Oper.
Auch
Anna Netrebko startete ihre Karriere
in Salzburg
Wer hier, beim mutmaßlich
einflussreichsten Klassik-Festival
der Welt, überhaupt nur auftreten
darf, hat es weit gebracht. Ist
es dann noch die Hauptrolle zu Beginn,
öffnet das die letzten Türen
zur großen Weltkarriere. Im
Fall Dasch stehen die Chancen sehr
gut. Ihrer Sopran-Kollegin Anna
Netrebko gelang in Salzburg als
Donna Anna in Wolfgang Amadeus Mozarts
(17561791) Don Giovanni
vor fünf Jahren der Durchbruch
zum Megastar. Seitdem ist sie der
Publikumsmagnet schlechthin und
dominiert die Klassik-Charts nach
Belieben.
Die Erwartungen an Dasch sind enorm,
aber auch der Vertrauensbonus. Für
viele Salzburger ist sie schon vor
dem ersten Premieren-Ton ein Star.
Im Cafe Triangel (gegenüber
der Felsenreitschule) gibt sie einer
älteren Dame ein Autogramm
und sagt: Man ist hier gleich
Teil der Gesellschaft, Everybodys
Darling. Am liebsten würde
ich denen sagen: ,Leute, wartet
doch erst mal ab. Vielleicht gefällt
es euch gar nicht.
Diese Skepsis hat nichts mit mangelndem
Selbstvertrauen zu tun. Die Armida-Regie
könnte zum Problem werden.
Zwar findet Dasch großen Gefallen
an Christof Loys wilder Inszenierung,
aber ob das die Zustimmung der kräftig
zahlenden Kundschaft trifft, ist
noch lange nicht klar.
Dasch
will keine Opern-Klischees bedienen
Dasch mag das Regietheater, weil
sie es nicht erträgt, in albernen
Kostümen Opern-Klischees zu
bedienen. Einmal wäre sie bei
einer Inszenierung beinah ausgestiegen,
zu sehr setzten ihr die Betulichkeiten
zu. Die wollten es eben so
richtig schön machen,
stöhnt sie und spricht das
Wort schön beängstigend
aggressiv aus. Das sollte
so schön wie früher werden,
klagt sie im erkennbaren Berliner
Tonfall und voller Ironie weiter,
so schön, dass sich Oma
drüber freut.
Allein der Anstand habe es ihr geboten,
die Sache durchzuziehen. Preußische
Verlässlichkeit und Disziplin
sind für die gebürtige
(West-)Berlinerin bekannte Vokabeln.
Das färbt sogar auf ihren ständigen
Begleiter Twiste ab,
einen brav gehorchenden Border-Collie.
Selbstdisziplin hatte sie auch nötig,
als es einmal um nichtmusikalische
Dinge ging. Noch vor wenigen Jahren
trug Dasch zu viele Kilos mit sich
herum. Während des Studiums
in München und Graz prophezeite
ihr ein Professor, dass sie damit
nicht ihre passenden Opernrollen
bekommen könnte. Das Problem
ist inzwischen gelöst.
Sony/BMG
will mit ihr Deutsche Grammophon
angreifen
Die bisher schwerste Prüfung
musste sie vor kurzem bei ihrem
Debüt an der Mailänder
Scala bestehen, als Donna Elvira
in Don Giovanni. Dass
sie überhaupt singen sollte,
erfuhr sie erst kurz vor dem Konzert.
Die Erstbesetzung Monica Bacelli
hatte sich krank gemeldet. Dummerweise
plagte Dasch ebenfalls eine starke
Infektion. Ich glaube, ich
war kranker als Frau Bacelli,
sagt sie nicht ohne Stolz.
Die Generalprobe habe Dasch schon
mit letzter Kraft gesungen. Doch
plötzlich sollte sie auch zur
Premiere auf die Bühne. Hinzu
kam, dass man bei Peter Mussbachs
Inszenierung mit weniger erfreulichen
Publikumsreaktionen rechnen durfte.
Nicht mal die Sänger, Dasch
ausgenommen, waren ausnahmslos vom
Konzept überzeugt. Dasch überzeugte
trotz aller Widrigkeiten. Allein
die Tatsache, dieses Abenteuer überstanden
zu haben, hat ihr Selbstvertrauen
erheblich gestärkt. Was soll
da noch in Salzburg passieren?
Inzwischen hat die recht finanzkräftige
Plattenfirma Sony/BMG Dasch unter
Vertrag genommen. Sicher auch mit
dem Hintergedanken, die Netrebko-Vormacht
des Konkurrenten Deutsche Grammophon
anzugreifen. Keine schlechte Idee,
die agilere Stimme von beiden hat
Dasch allemal.
Dasch
wollte keine herkömmlichen
Opern-Hits veröffentlichen
Seit vorgestern liegt ihre erste
sogenannte Major-CD in den Läden.
Passend zur Salzburger Premiere
heißt das Werk Armida
und versammelt Arien, die für
diesen Stoff um die verführerische
Zauberin geschrieben wurden. Hier
singt Dasch neben Haydns Kompositionen
auch Nummern von Christoph Willibald
Gluck (17141787), Georg Friedrich
Händel (16851759) und
Niccolò Jommelli (17141774).
Dasch meistert sie auf ihre unnachahmliche
Weise mit einem kleinen Schönheitsfehler:
Ihr Begleitorchester, die Bayerische
Kammerphilharmonie, könnte
feuriger spielen. Gerade vor dem
Hintergrund, dass Dasch bereits
mit der fantastischen Akademie für
Alte Musik Berlin zusammenarbeitete.
Das CD-Konzept selbst geht auch
mit den eher unbekannten Kompositionen
wunderbar auf. Eine herkömmliche
Hit-Sammlung hatte sich Dasch sowieso
verbeten. Das wäre für
sie praktisch undenkbar, zusammenhanglos
einfach ein Sahnestückchen
nach dem anderen zu singen.
Eine neue Netrebko wird sie schon
deshalb nicht. Warum auch? Sie wird
einfach, was sie ist: Annette Dasch.
Annette Dasch: Armida
ist bei Sony Classical erschienen.
Termine bei den Salzburger Festspielen:
28. Juli, 2., 4., 7., 9., 11.,15.
und 18. August. Ab Dezember singt
Dasch an der Staatsoper Unter den
Linden Berlin in Don Giovanni.
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