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Kinder
und Genies haben anscheinend
ihre eigene Orthographie.
So notierte sich Frank-Peter
Zimmermann als Sechsjähriger
ins Schulheft: "Ich will
ein Weldgeiger werden."
Das ist er tatsächlich
geworden und vielleicht sogar
noch ein bisschen mehr, denn
jetzt, mit Anfang Vierzig,
wird er von vielen seiner
Fans längst an die Spitze
aller Weltgeiger gerückt.
Zum Mozart-Jahr hat Zimmermann
im Prinzregententheater alle
Violinkonzerte des Jubilars
gespielt, hat damit ungeteilte
Bewunderung geerntet. Wer
die Mozart-Sternstunden verpasst
hat, bekommt am Samstag, 1.
Juli, eine zweite Chance bei
"Klassik am Odeonsplatz",
wo Zimmermann mit dem Symphonieorchester
des Bayerischen Rundfunks
das vierte Konzert D-Dur spielt.
Am Pult steht mit Esa-Pekka
Salonen ein weiterer Weltspitzenmusiker.
In München steuert er
Musik von Debussy und Sibelius
bei sowie die "Symphonie
fantastique" von Hector
Berlioz.
Wie
klein die Klassikwelt ist:
Salonen hat jüngst das
Schumann-Klavierkonzert mit
Hélène Grimaud
aufgenommen, die damit auch
am Odeonsplatz zu hören
sein wird - doch nicht mit
Salonen und dem BR-Symphonieorchester,
sondern einen Tag später
mit den Münchner Philharmonikern
unter Andrey Boreyko. Hélène
Grimaud musste kürzlich
viele ihrer Konzerte absagen,
weil eine verschleppte Lungenentzündung
auszukurieren war und der
Arzt auf Ruhe bestand; der
Münchner Auftritt scheint
aber nicht gefährdet.
Genauso wenig wie zu befürchten
steht, dass die Pianistin
nach ihrem zweiten Buch womöglich
das Metier wechselt und zur
Schriftstellerin umsattelt,
denn auch eine CD (mit Bach)
soll bald wieder erscheinen.
Neben dem Schumann-Konzert
gibt es am zweiten Tag des
Open Airs Musik von Rossini
und Manuel de Falla sowie
Ravels "Bolero".
Bliebe
also nur noch das Wetter,
das der Veranstaltung einen
Strich durch die Rechnung
machen könnte, auch wenn
die Erfahrung glücklicherweise
dagegen spricht: seit dem
ersten Mal vor sechs Jahren
gab es kaum Regen. Und selbst
wenn es nass werden sollte:
Die meisten der Zuhörer
haben selbst im widrigsten
Fall durchgehalten und vor
der Feldherrenhalle bewiesen,
dass ein Klassikfan nicht
aus Zucker ist. Johannes Rubner
Esa-Pekka
Salonen, BR-Symphonieorchester,
Samstag, 1. Juli, 21 Uhr /
Andrey Boreyko, Hélène
Grimaud (Klavier), Münchner
Philharmoniker, Moderation:
Sabine Sauer, Sonntag, 2.
Juli, 21 Uhr; Odeonsplatz