Die
"Zauberflöte"
von Wolfgang Amadeus Mozart
ist die meistgespielte Oper
der Welt. Die Tatsache allein
könnte das Werk zu einer
logischen Wahl machen, wenn
es darum geht, Opernstudenten
realitätsnah auf Berufsalltag
und Karriere vorzubereiten.
An der Universität Mozarteum
wird Eike Gramss das Singspiel
mit seinen Studenten Anfang
Juni für einige Aufführungen
auf die Bühne bringen.
Für den erfahrenen Regisseur,
der seit Oktober 2007 als Professor
an der Abteilung Musiktheater
der Universität Mozarteum
lehrt, gibt es aber mehr als
einen Grund, für die Orchesterproduktion
zum Abschluss des laufenden
Opernschuljahres die "Zauberflöte"
zu inszenieren. "Zum einen
ist es natürlich nahe liegend,
im Mozarteum Mozart aufzuführen",
sagt der 66-jährige Theatermann
im Gespräch mit den "Uni-Nachrichten".
Zum anderen sei die "Zauberflöte"
ein "wunderschönes
Werk mit einer unglaublichen
Musik". Und nicht zuletzt
gehe es darin um Themen, in
die sich Studierende mit Sicherheit
bestens einfühlen könnten:
"Das Libretto erzählt
schließlich unter anderem
eine Entwicklungs- und Erziehungsgeschichte,
es geht um das Erwachsenwerden
und darum, Prüfungen zu
bestehen. Das ist großes
Welttheater."
In seiner voruniversitären
Karriere war Eike Gramss unter
anderem Generalintendant in
Krefeld/Mönchengladbach
(1985 bis 1991), Direktor am
Stadttheater Bern (1991 bis
2007) und inszenierte als Opern-
und Theaterregisseur unter anderem
in Basel und London, Dresden,
München, Berlin, Florenz
und Athen. Wie oft er die meistgespielte
Oper der Welt in seiner eigenen
Bühnenlaufbahn schon inszeniert
hat? "Die Mozarteumsproduktion
im Juni wird für mich die
zweite 'Zauberflöte' sein",
erzählt der Regisseur.
Dafür ist die Salzburger
"Zauberflöte"
bereits die zweite Orchesterproduktion,
die Gramss mit Reinhard Seifried
als musikalischem Leiter und
den Studenten der Opernschule
realisieren wird. Erst im Jänner
2008 hat Henry Purcells "Dido
und Aeneas" unter der Leitung
des Professorenteams begeisterte
Reaktionen geerntet.
Einen "glücklichen
Zufall" nennt Eike Gramss
die Gelegenheit, in so kurzer
Zeit zwei Mal mit seinen Schülern
mit Chor und Orchester arbeiten
zu können. Schließlich
gibt es vieles, was der Theaterprofi
den angehenden Akteuren ins
Berufsleben mitgeben möchte.
Die Herausforderungen, die ein
Werk wie die "Zauberflöte"
bereithalte, seien mannigfaltig,
betont Gramss: "Mozart
auf die Bühne zu bringen,
ist immer sehr schwer. Man muss
sich extrem hohen Ansprüchen
stellen und zugleich eine größtmögliche
Einfachheit erreichen. Es geht
um Wahrheitsfindung, das braucht
Humor, aber keinen Zynismus,
es braucht den Sinn für
Tragisches ohne die gewohnten
Ingredienzien deutschen Depressionstheaters.
Das ist eine sehr fein zu justierende
Aufgabe. In dieser Oper wird
auch oft von Weisheit gesprochen.
Darum ist es besonders schön,
sie mit jungen Künstlern
zu erarbeiten. Weisheit ist
ja nur zum Teil eine Jahrgangsfrage."
Die Arbeiten an der Produktion,
an der auch das Orff-Institut,
die Abteilung für Bühnen-
und Kostümgestaltung sowie
die Mozarteum Sinfonietta Salzburg
mitwirken, sind angelaufen.
Regieideen müssen präzisiert,
Dialoge schauspielerisch erarbeitet
werden. Die "geballte Arbeit"
beginne demnächst, nach
den Osterferien. "Dann
sind zwei Monate Zeit, die Oper
auf der Probe wirklich zu entwickeln",
sagt der Regisseur. "Das
ist mehr Zeit, als später
im professionellen Theaterbetrieb
zur Verfügung steht. Dort
sind es meistens nur sechs Wochen."
Noch
mehr Mozart mit Zubin Mehta
in Florenz
Neben
seiner neuen Rolle als Mozarteumsprofessor
will Eike Gramss auch künftig
"ungefähr ein Mal
im Jahr" als Regisseur
ins reale Bühnenleben
zurückkehren. Projekte
in Athen, in Dublin oder in
Florenz, wo er mit Dirigent
Zubin Mehta Mozarts "Entführung
aus dem Serail" inszenieren
wird, stehen auf dem Terminplan.
Was der Theatermacher unterdessen
seinen Studierenden auf ihrem
Weg ins große Welttheater
mitgeben will? "Es gibt
keinen guten Gesang, der nicht
auch von der Sprache ausgeht",
sagt Eike Gramss. "Die
Diskussionen, was wichtiger
sei, die Sprache oder die
Musik, sind unsinnig. Man
kann ja auch nicht fragen:
Was ist wichtiger, der Vater
oder die Mutter? Die Ohren
oder die Augen? Das gehört
zusammen. Und gerade die Einheit
im Disparaten zu finden, das
ist der Kern von szenischer
Arbeit."
Die
"Zauberflöte":
Musikalische Leitung:
Reinhard Seifried
Szenische Leitung: Eike Gramss
Choreinstudierung: Karl Kamper
Mozarteum Sinfonietta Salzburg
Termine: Montag, 2., Dienstag,
3., Mittwoch, 4. Juni, Großes
Studio, jeweils 19 Uhr
Karten: 14/ermäßigt
7 Euro bei Polzer Travel und
Ticketservice, Tel. 0662/89
69,
Fax-DW -700, E-Mail: office@polzer.com,
und an der Abendkasse.
OBSERVER
Nr. 116 vom März 2008
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