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Kinder und Opern


  Menschensensationen - Mozarts 'La Clemenza di Tito' im Circus Krone
Eine großartige Kritik in der SZ vom 13.9.2012
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München - Allez hopp! Und gleich noch einmal: Allez hopp! Oper ist für viele Menschen großer Zirkus, doch so wörtlich genommen hat man es selten erlebt. Zwar gibt es Opern, die gern in einem fiktiven Zirkusambiente inszeniert werden - Bergs 'Lulu' etwa -, doch in einem Opernhaus ist das meist eher Dekor als eine zwingende Unausweichlichkeit. Hier aber: Menschen, keine Tiere, aber Sensationen. Andreas Wiedermann inszeniert Mozarts späte Seria 'La clemenza di Tito' im Circus Krone. Und so stehen eben die Solisten beisammen, formieren eine verschlungene Gruppe, dann eben: 'Allez hopp' - und aus der bodennahen Konstellation entsteht ein luftiges Gebilde, eine Menschenpyramide, akrobatisch beeindruckend.

Wiedermann beschreitet mit seiner Truppe Opera Incognita seit längerem einen Sonderweg in der Opernregie. Er entdeckt Räume, in denen Opern normalerweise nicht oder nur selten stattfinden und erklärt sie zur Opernbühne. Nicht jeder Raum ist eine Sensation, doch er bedingt stets die Inszenierung mit - am stärksten bislang bei Wiedermanns 'Idomeneo' im Müllerschen Volksbad. Nun kann man sich fragen, wie man mit Mozarts idealistischem 'Titus' in den Zirkus gelangt - der Schauplatz des antiken Roms allein erklärt es nicht. Und Wiedermann stellt ja auch keine antike Spiele nach. Die Erklärung kann man sich auf ganz anderem Wege zusammenreimen - und dann ergibt es auch einen Sinn. Mozart erzählt in seiner Oper, wie der Titel schon sagt - von der Milde eines Herrschers, dem alle nur Böses wollen, der von Freunden und Geliebten verraten wird, der zum Objekt übelster Rache werden soll. Er überlebt alle Anschläge - und verzeiht, wohl auch weil er erkennt, dass die Welt, wie er sie sich gern erdachte, so nicht funktioniert. Weil man sich eine Welt überhaupt nicht erdenken kann. Weil die Realität immer eine andere ist. Es sei denn, man ist im Zirkus.

Der, der Zirkus, klingt zwar für das kleine Orchesterchen, das unter der präzisen Leitung von Ernst Bartmann ein bisschen beherzter aufspielen könnte, wie eine Plastikregentonne, für die Sänger aber ist er ein guter Ort. Da verführt der lyrische Schmelz des Zirkusdirektors (Hui Jin als Titus), wärmt die Herzlichkeit des Clowns (Carolin Ritter als Annio), verzaubert der sich abmühende Pierrot (Reinhild Buchmayer als Sesto) und verblüfft die dramatische Eleganz der großartigen Akrobatin (Nam Young Kim als Vitellia). Dazu gibt es einen echten Löwenbändiger (Torsten Petsch als Publio) und eine reizendes Seifenblasenmärchenmädchen (Katharina Ruckgaber als Servilia), überhaupt ist hier viel zarte Poesie drin, auch wenn es Wiedermann mit dem Zirkus ein bisschen übertreibt, nicht jeder Einfall stilsicher gelingt und die robusten Akteure zu keiner Sekunde den Habitus ihrer Figuren ablegen dürfen. Bartmann verschärft Mozarts Musik mit Zirkusanleihen und komponiert ein, zwei Rezitative drastisch neu, was angesichts ihrer entspannten Länge der Aufführung gut tut. Egbert Tholl



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